Wo der Himmel die Wellen berührt

Liebe zwischen Salz auf der Haut und Sand unter den Füßen.

Fotografin und Journalistin Elena braucht dringend Abstand – von Berlin, von ihrem Ex-Freund, von sich selbst. Eine Auszeit führt sie auf die wunderschöne Insel Madeira. Dort trifft sie nicht nur auf spektakuläre Kulissen, sondern auch den wortkargen ehemaligen Profisurfer Liam, der in den Wellen des Ozeans zu vergessen versucht, was ihn quält.

Als Elena anbietet, die Website der Surfschule von Liams Bruders zu überarbeiten und im Gegenzug Surfstunden erhält, ist ein Wiedersehen unausweichlich. Zwischen Wellen, Wanderungen und gemeinsamen Erlebnissen kommen sie sich näher. Seine stille, verletzliche Art fasziniert Elena – und sie ist entschlossen, hinter seine Fassade zu blicken.

Um sich jedoch auf etwas Neues einzulassen, müssen sie sich erst dem Vergangenen stellen, das sie verdrängen wollen. Wird die Liebe dem Sturm standhalten, oder wird sie von den Fluten davongetragen?

„Wo der Himmel die Wellen berührt“ ist ein tiefgründiger Sport-Liebesroman über die heilende Kraft zweiter Chancen vor der rau-romantischen Kulisse Madeiras. Für Fans von Grumpy x Sunshine, Slow Burn und Urlaubsliebe mit Tiefgang.

Der Schreibstil ist klasse und leicht zu lesen.

Denise, Bloggerin.

Die Autorin hat eine tolle Sportromance geschrieben mit viel humorvollen Dialogen, alles detailliert beschrieben, sodass man das Gefühl hat mittendrin zu sein. Jedes Kapitel hat mich total gefesselt und mitgerissen.

Tina, Bloggerin

„Eine eindrucksvolle Geschichte, die das Herz berührt und den geist inspiriert. (…) Ein Buch, das man nicht mehr aus den Händen legen mag.““

Cleo, Bloggerin

Leseprobe

Kapitel 1 aus „Wo der Himmel die Wellen berührt“
Elena

»Kannst du mir das erklären?« Otto Fuhrmann, Chefredakteur der Berliner Tageszeitung, knallt mir die neuste Ausgabe unserer täglichen News auf den Schreibtisch.

Ich schlucke und schließe für eine Sekunde die Augen, während der Knall in meinem Kopf nachhallt. Dann sehe ich meinen Vorgesetzten mit all der Energie an, die ich aufbringen kann. Das Debakel habe ich selbst zu verantworten, denn ich ahne, worum es in dem Artikel auf der Titelseite geht. Immerhin ziert der Schauspieler Finnian Stark diese sehr regelmäßig, und ich muss kein Genie sein, um zu wissen, wer am gestrigen Abend mit ihm fotografiert wurde.

»Es ist …« Ich verstumme, als die Ader an Ottos Hals bedrohlich pulsiert.

»Lass mich raten. Es ist nicht das, wonach es aussieht? Verflucht, Elena! Du sollst Storys schreiben und nicht selbst auf der Titelseite abgelichtet sein. Klar, die Leute dürfen deinen Namen kennen. Aber nur, weil sie deine Kolumne lesen wollen und deshalb unsere Zeitung abonnieren und kaufen. Nicht, weil du dich jedem Promi an den Hals wirfst! Du kennst die Regeln!«

Die ungeschriebenen Regeln, denn er kann mir nicht vorschreiben, mit wem ich meine Freizeit verbringe. Mein Blick huscht zu dem Foto, das mich in einer eindeutigen Pose und wild knutschend mit Shootingstar Finnian Stark auf der gestrigen Charity-Gala zeigt. Im Grunde hat der Fotograf uns gut getroffen, ich hätte jedoch nie gedacht, dass Enzo – mein Kollege und ebenfalls Journalist – mich dermaßen in die Scheiße reitet.

Dabei hat der Abend so schön begonnen. Finnian hat mich pünktlich abgeholt, und ich habe mich unglaublich auf unsere gemeinsame Zeit gefreut. Endlich einmal nicht arbeiten und zusammen ein bisschen Smalltalk betreiben. Kontakte knüpfen ist in jeder Lebenslage für mich gut, um als freiberufliche Fotografin an die besten Aufträge zu gelangen. Selbst eine Story zu werden war jedoch nie Teil des Plans. Ein Plan, den ich offenbar viel zu wenig durchdacht habe. Natürlich hätte mir klar sein müssen, dass Finnian auf Schritt und Tritt von Paparazzi verfolgt wird und dass die vor mir nicht zurückschrecken.

Finnian hingegen hat mir alle Wünsche von den Augen abgelesen, ich konnte netzwerken, und wir haben Champagner geschlürft. Einzig das fehlende Abendessen hätte ich besser im Hinterkopf haben müssen. Aber ich habe die Veranstaltung genossen. Ein Fakt, der mir nun auf die Füße fällt – und das, obwohl ich noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen habe.

»Ich …« Doch ich breche auch diese Rechtfertigung ab. Mein Kopf besteht viel zu sehr aus Watte, als dass ich einen klaren Gedanken fassen könnte. Außerdem hat es eh keinen Sinn. Dafür kenne ich meinen Chef zu gut. Otto ist dermaßen in Rage, dass er mich vermutlich den Rest des Tages – oder der Woche – auf den Mond wünschen wird. Hoffentlich verfliegt seine schlechte Laune schnell. Denn keiner von uns hat genug Energie oder Kapazitäten, sich über die Schlagzeilen von gestern aufzuregen. Ja, wir sitzen in einem Haifischbecken. Das war mir immer bewusst, als ich mich für einen Job als Journalistin bei ihm entschieden habe. Gebissen werden muss jedoch niemand. Umso schlimmer, dass es ausgerechnet Enzo ist, der hinterrücks ein Foto weitergibt. Schließlich hatte ich Feierabend. Doch wer mit Finnian Stark öffentlich auftritt, ist letztlich der Fisch am untersten Ende der Nahrungskette im Aquarium. Das weiß ich jetzt auch.

Enzo. Von Anfang an hat er mich abschätzig angesehen. Dabei habe ich ihm nie den geringsten Anlass dazu gegeben. Doch vielleicht liegt es daran, dass er Single ist – und sich schon immer eine heiße Schauspielerin gewünscht hat – und sein Spezialgebiet deshalb nun die Ausrutscher der Stars und Sternchen sind. Kein Wunder, dass er Finnian auf Schritt und Tritt folgt. Er hat darauf gewartet, dass er endlich etwas zu berichten hat. Mein Pech, dass Finnian ausgerechnet mein Herz gestohlen hat. Aber wenn ich an den gestrigen Abend denke, wird mir erneut warm im Bauch, und das Kribbeln verteilt sich in alle Zellen.

»Elena, ich erwarte bis 14 Uhr eine Story. Eine verdammt gute. Und eine, in der du nicht die Hauptrolle spielst.« Ottos Stimme reißt mich aus meinen Gedanken in die Gegenwart zurück. Immerhin ist er nicht von unserem kollegialen Du zum Sie gewechselt. Das käme so was wie einer Kündigung gleich. Zum Glück lässt er mich weiter Artikel schreiben.

Ob es ratsam ist, ihm zu verklickern, dass ich mit Finnian in einer Beziehung bin? Dass wir beide vermutlich noch öfter zusammen auf der Titelseite landen werden? Oder würde er mich auslachen? Immerhin bin ich, Elena Farber, nur eine stinknormale Journalistin und freiberufliche Fotografin, während Finnian der Shootingstar Deutschlands ist. Der Nachwuchsschauspieler, dem eine steile Karriere vorhergesagt wird und der mit seiner letzten Rolle von heute auf morgen aus dem Nichts aufgetaucht ist. Doch statt Otto brühwarm zu berichten, dass Finnian und ich gestern Abend auf seinen ersten Hollywood-Vertrag angestoßen haben – was natürlich noch topsecret ist –, nicke ich ergeben.

»Verstanden.« Ich hätte einfach wissen müssen, dass uns irgendwer fotografiert. Daran werde ich mich leider gewöhnen müssen, wenn ich meine Beziehung zu Finnian nicht direkt im Keim ersticken will. Und ich hätte auf Alkohol verzichten sollen. Dann wäre alles nicht so eskaliert, und ich hätte mich besser unter Kontrolle gehabt.

Trotz allem bleibe ich so aufrecht wie möglich sitzen, bis Otto aus meinem Büro verschwunden ist und die Tür hinter sich geschlossen hat. Kaum, dass ich allein bin, sinke ich in mich zusammen. Ob das nun immer so läuft? Ja, Otto ist cholerisch, doch alles in allem ist er ein guter Chef.

Ich atme tief durch. Für triste Gedanken habe ich weder einen Grund noch Zeit. Immerhin habe ich nichts falsch gemacht. Kurzentschlossen zücke ich mein Handy.

Ich: Hey. Gut geschlafen?

Es dauert nicht lange, bis mir angezeigt wird, dass Finnian online ist.

Finnian: Danke ja. Du hoffentlich auch? Bitte halte dir den morgigen Abend frei. Ich muss bei dieser Preisverleihung für den besten Berliner Jugend-Nachwuchsschauspieler eine Rede halten und würde mich freuen, wenn du mich begleitest.

Ich: Natürlich. Dann kann ich direkt ein paar Fotos dort machen und in einem Artikel verwursten.

Finnian: So passt das für uns beide.

Täusche ich mich oder wirkt er müde? Ausgelaugt? Oder vielmehr distanziert und nüchtern? Klar, er würde es nie offen zugeben, doch er hasst diese ganzen öffentlichen Auftritte. Aber ich begleite ihn gern. Immerhin gibt mir das die Gelegenheit, meine Visitenkarte in den elitären Kreisen zu verteilen. Diese Leute reisen sehr viel, und das kann mir ein paar Türen öffnen.

Und doch begleitet mich in diesem Moment das erste Mal ein ungutes Gefühl. Bin ich zu sensibel? Wünsche ich mir Aufmerksamkeit, die er mir nicht geben kann? Vielleicht interpretiere ich jedoch zu viel in seine Worte hinein. Immerhin könnte er auch einfach noch nicht richtig wach sein.

Ich gähne. In der Tat ist es gestern spät geworden, und ich hätte mich zu gern zwei oder drei Mal im Bett umgedreht. Dennoch tippe ich mühsam meinen Bericht über die aktuellen Kreuzfahrtschnäppchen zusammen. Sicher nicht der Artikel, den Otto gemeint hat, und doch gehört dieser Bereich zu meinem Pflichtprogramm für die Zeitung. Daher kann er nicht meckern. Danach stelle ich eine neue Folge der wöchentlichen Reisekolumne fertig und schnappe mir anschließend meine Jacke sowie die Kamera. Alles andere ist bereits im Auto. Für heute ist meine Arbeitszeit als angestellte Journalistin bei Otto zu Ende. Erleichtert atme ich aus, als ich an die frische Luft trete. Kommt es mir nur so vor oder war die Luft in der Redaktion an diesem Vormittag dicker als sonst?

Natürlich ist der Verkehr in Berlin wie üblich eine Vollkatastrophe. Mit fünf Minuten Verspätung betrete ich das Fotostudio, in dem zum Glück bereits alles für das heutige Shooting hergerichtet ist.

»Da sind Sie ja endlich, Frau Farber! Ich dachte, Sie würden nicht mehr kommen, wo Sie nun so etwas wie eine Berühmtheit sind.« Der Inhaber des Reiseunternehmens, für dessen nächsten Katalog ich heute Bilder mit einigen Models erstellen soll, schaut mich mit verkniffenem Mund an. Er hat die Zeitung also auch schon gelesen. Na klasse. Aber es hätte mir klar sein müssen. Gerade kann ich noch verhindern, meine Augen zu verdrehen. Verübeln kann ich es trotzdem niemandem.

Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, welche Welle ich mit einem öffentlichen Auftreten an Finnians Seite lostreten würde, hätte ich mir zweimal überlegt, ihn zu begleiten. Aber es war zu verlockend. Vor allem sollten wir uns nicht verstecken müssen.

Natürlich spürte ich sofort die Aufmerksamkeit auf mir. Wobei ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob es meinen Kollegen primär um mich oder um Finnian ging. Letztendlich ist es egal. Ich stand plötzlich im Fokus. Denn auch wenn ich als Journalistin in Berlin nicht gänzlich unbekannt bin, so war ich bisher selten in der Welt der Stars und Sternchen zu sehen. Mein Metier als Freiberuflerin sind Reisen, Natur und seriöse Fotoshootings. Schließlich muss nicht jeder dem nächsten Skandal hinterherlaufen und sich das Maul über andere Leute zerreißen. Aber meine bisherige Erfahrung zeigt, dass auch Promis ab und an Interesse an schönen Fotos haben oder sie zumindest immer wen kennen, der gerade eine Fotografin braucht. Letztendlich darf ich am Anfang meiner Karriere nicht zu wählerisch sein. Jeder Auftrag ist ein guter Auftrag.

Daher winke ich ab. »Bitte entschuldigen Sie. Leider habe ich im Stau festgesteckt. In fünf Minuten können wir loslegen. Ich sehe, dass bereits alles vorbereitet ist? Dann baue ich rasch mein Equipment auf, und die verlorene Zeit holen wir schnell auf, sodass wir pünktlich fertig sind.«

Ich lächle meinen Auftraggeber an, denn natürlich hat er das Studio nur gemietet und muss es fristgerecht wieder verlassen. So ist das in meinem Job. Alles muss just in time fertig sein.

»Wunderbar. Das Set-up ist so weit für Sie passend? Oder sollen wir noch etwas umstellen?«, fragt er weiter, während ich die Softboxen aufbaue. Natürlich könnte ich auch die vorhandenen aus dem angemieteten Studio nehmen, doch ich vertraue lieber meinem eigenen Equipment.

»Das passt für mich wunderbar. Wir machen erst die Bilder ohne Hintergründe, beziehungsweise die, bei denen wir die Hintergründe digital einarbeiten.« Denn so gern wir vor Ort auf der ganzen Welt geshootet hätten, ist das finanziell nicht realisierbar. Egal wie groß der Wunsch ist. Deshalb machen wir das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten im Studio. »Sind alle Models da und einsatzbereit?«

Er nickt. »Ich hole sie.«

»Eine reicht. Wir shooten nacheinander.«

Kurz darauf spiele ich mit der Belichtung und dem Winkel. Wie gut, dass Fotografie heutzutage mit Digitalkameras möglich ist und ich ausreichend Speicherkarten dabeihabe. Allerdings gruselt es mich bereits jetzt vor der Bearbeitung der Bilder. Denn allein die Auswahl der perfekten Fotos wird viel Zeit kosten. Immerhin habe ich den Rest des Katalogs nahezu fertig, sodass ich nur noch die Bilder brauche. Trotzdem wird es einiges an Arbeit. Aber dafür werde ich bezahlt, und der Katalog muss erst in rund vier Monaten druckfertig sein, auch wenn viele der Routen natürlich online längst buchbar sind. Schließlich hat der Veranstalter sich auf Gruppenreisen spezialisiert.

»Pause!«, rufe ich einige Zeit später, als mein Magen vernehmlich knurrt. Habe ich heute überhaupt gefrühstückt? Zum Glück ist mein Kater von gestern Abend verflogen. Denn so lecker der Champagner war, etwas weniger hätte es auch getan.

Der Blick auf die Uhr bestätigt mir, dass es deutlich später als gedacht ist. Mist. Alle drei Frauen müssen sich noch je einmal umziehen. Eigentlich haben wir keine Zeit für eine Pause. Aber dann muss eben jedes Bild sitzen. Immerhin nennen die drei sich professionelle Models, da darf ich perfekte Leistung erwarten. Doch bei der einen habe ich eher das Gefühl, dass sie höchstens zum dritten Mal vor der Kamera steht. Zum Glück ist das Aussuchen der passenden Kandidatinnen nicht meine Aufgabe, und ich arbeite mit dem, was ich bekomme.

»Sind Sie bisher zufrieden?« Der Inhaber des Reiseunternehmens kommt auf mich zu, nachdem er zwischenzeitlich im Hintergrund verschwunden ist. Da wir bereits mehr als einmal zusammengearbeitet haben, vertraut er mir.

»Ja, ich denke, wir haben schon eine gute Ausbeute. Fehlen nur noch die Bilder für die Winterreisen.« Passend tritt in diesem Moment das erste Model aus der Garderobe. Dick eingepackt in Winterjacke, Skihose und Thermostiefel. Wahrscheinlich schwitzt sie bereits jetzt. Doch darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Das ist ihr Job.

Ohne auf ihren missbilligenden Blick zu achten, beiße ich in mein mitgebrachtes Brötchen. Schließlich hilft es niemandem, wenn ich aus den Latschen kippe.

Irgendein Telefon bimmelt, und ich schaue genervt auf. Wer hat sein Gerät diesmal nicht ausgestellt? Dabei ist für unsere Arbeit absolute Konzentration notwendig. Alles muss funktionieren.

»Wollen Sie nicht drangehen?«, fragt mich das Model irritiert.

Erst jetzt registriere ich, dass es mein Handy ist, das noch immer munter vor sich hinbimmelt und in diesem Moment verstummt. Hektisch fische ich es aus meiner Tasche und hoffe, dass es nichts Wichtiges ist. Wie konnte ich nur meine eigenen Regeln missachten? An dem Auftrag hängt zu viel, als dass ich ihn versauen dürfte.

1 verpasster Anruf von Otto Fuhrmann

Mein Herz rutscht eine Etage tiefer. Was zur Hölle will er nun schon wieder? Zum Glück bin ich bei ihm nur in Teilzeit angestellt, sodass ich genug Spielraum für die anderen Aufträge habe, die mir so oder so mehr Geld einbringen. Doch ohne das regelmäßige Gehalt aus der Zeitung würde mir eine wichtige und vor allem konstante Einnahmequelle fehlen. Immerhin hat eine Freiberuflichkeit durchaus auch Nachteile.

Mit einem unguten Gefühl im Bauch tippe ich auf seine Nummer und rufe Otto zurück.

»Wo ist der versprochene Artikel?«, blafft er ohne eine Begrüßung.

Ich zucke zusammen und versuche, mich nicht unterbuttern zu lassen. Trotzdem zittert meine Stimme minimal. »Den Artikel über die Kreuzfahrtschnäppchen habe ich Ihnen geschickt, bevor ich gegangen bin.«

Erneut wandert mein Blick zur Uhr. Wenn er den nicht bekommen hat, stecke ich endgültig in der Scheiße.

»In meinem Posteingang ist nichts.« Damit bestätigt er meine schlimmste Befürchtung. »Elena, ich weiß wirklich nicht, was mit Ihnen los ist. Aber wir hatten eine Abmachung. Sie sollten liefern, damit ich über Ihren Ausrutscher hinwegsehe. Nun stehe ich ohne Artikel da.«

Ich schließe die Augen. Otto war von Anfang an schwierig, und hätte ich den Job nicht gebraucht, hätte ich wohl nie den Vertrag bei ihm unterschrieben. »Ich bin mitten in einem Shooting. Sobald ich hier fertig bin, sende ich Ihnen den Artikel erneut zu.«

»Zu spät. Sie wissen, dass bereits Redaktionsschluss war. Ich warne Sie. Wenn Sie weiterhin für mich arbeiten wollen, erwarte ich, dass es ab jetzt keinerlei Störungen mehr gibt. Sie liefern pünktlich. Verstanden?«

»Ja«, flüstere ich ins Telefon, doch die Leitung ist längst tot. Wie kann ein Mensch nur so sein? Klar, in meinem Berufsleben sind mir bereits etliche Leute untergekommen. Darunter sehr nette und freundliche, aber auch cholerische und feindselige Personen.

Langsam lasse ich meine Hand mit dem Handy nach unten sinken und starre auf den Boden. Sollte ich die Mail tatsächlich nie abgeschickt haben? Blödsinn. Ich bin mir sicher, dass alles seine Richtigkeit hat. Doch darum kann ich mich im Moment nicht kümmern. Erst muss ich diesen Auftrag erledigen, bevor ich noch einen unzufriedenen Kunden vor mir habe. Meine Motivation hingegen hat sich derweil auf die kältesten Bergspitzen verzogen. Nun gut, dann passt das wenigstens zum Thema. »Also gut. Es geht weiter!«, rufe ich, doch meine Stimme wackelt mehr, als es mir lieb ist.


Sichere dir eine gratis Kurzgeschichte und werde mein Herzensmensch!

Möchtest du eine gratis Kurzgeschichte (Lovestory) lesen? Melde dich zu meiner Herzenspost an und erhalte regelmäßig News aus meiner Schreibstube.